Glücksspielstaatsvertrag regelt Betrieb von Spielhallen

Branche warnt vor zunehmender Stigmatisierung und dem wirtschaftlichen Aus

„Jeder Mensch hat einen Spieltrieb, wie er diesen auslebt und ob er in eine Spielhalle geht, entscheidet jeder selbst,“ so formulierte Petra Reichert-Baldus und ihr Sohn, Nick Baldus, die Bedeutung des Spielens für den Menschen. Kürzlich besuchte die CDU-Landtagsabgeordnete Jenny Groß das SPIEL-IN Casino in Montabaur auf Einladung des familiengeführten Unternehmens mit Hauptsitz in Kölbingen. Schwerpunkt des Gesprächs war die Situation der 47 privaten Spielhallen in zehn Bundesländern und die drohende Schließung 2021, wenn nicht in Kürze vom Landtag in Rheinland-Pfalz ein neues, auf qualitativen Kriterien beruhende Landesglücksspielgesetz verabschiedet wird. Zu dieser Gesetzgebungsinitiative ist das Land aufgrund des neuen Staatsvertrages (GlüNeurStV) verpflichtet. Denn dieser überlässt es den Ländern, ihren Gestaltungsspielraum zu nutzen und den bestehenden Spielhallen eine Zukunft zu geben oder nicht. Derzeit werde wohl, so die Familienunternehmer unisono, geprüft und von Seiten der Verbände und des Landes geschaut, welche Regelungen greifen und ob es dann zum Aus für die Spielhallen in RLP kommt. Die CDU-Landtagsabgeordnete sprach mit den beiden Geschäftsführern und Inhabern der Spiel-IN Kette, über die Umsetzung und die Folgen der geplanten Neuregelungen.

Besonders Petra Reichert-Baldushat in über 30 Jahren Qualitätsstandards für ihre Betriebe erarbeitet, die oftmals weit über die geforderten Rahmenbedingungen des Staatsvertrages hinausgehen. Das Familienunternehmen lässt in diesem Zusammenhang seit 5 Jahren alle Standorte und die Zentrale durch den TÜV RLP als „Regelmäßig geprüfte Spielstätte“ zertifizieren. Besonders liegen ihnen die Suchtprävention am Herzen. Hier haben sie bereits erste Projekte mit Schulen durchgeführt, um über Spielsucht aufzuklären. „Diese Initiative finde ich, auch aus pädagogischer Sicht, begrüßenswert. Wer, wenn nicht sie als Betreiber und Inhaber einer solchen Spielhalle, können darüber berichten, wie ein gesundes und maßvolles Spielen aussehen soll?“, stellt Jenny Groß MdL fest.

Dass das Betreiben einer Spielhalle eine eher von Männern dominierte Berufsbranche ist, bestätigte Petra Reichert-Baldus. „Frauen gehen sensibler und umsichtiger an das Thema Suchtverhalten heran.“ Was im Alltag bedeutet, dass sie und ihr Sohn Nick, der nach seinem Hochschulstudium mit in die Geschäftsleitung eingestiegen ist, ihre rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter regelmäßig von psychologischen Lehranstalten schulen lassen. Zudem stehen die Spiel-IN Betriebe in enger Zusammenarbeit mit den Suchtberatungsstellen wie der Diakonie oder der Caritas.

Nick Baldus verweist dabei auf eine Neuerung, die es erst seit kurzem gibt und welche besonders in Rheinland-Pfalzgut umgesetzt wurde: An Spielsucht erkrankte Menschen können sich nun auch in Spielhallen landesweit sperren lassen. Das war bisher den staatlich betriebenen Spiel-Casinos vorbehalten. „Anders als in anderen Spielbanken bietet Rheinland-Pfalz ein System an, das nicht ausschließlich eine lebenslange Sperre vorsieht, sondern darüber hinaus eine zeitlich begrenzte Staffelung.“ Baldus begrüßt die Regelung, weil er damit im Einzelfall die Handlungsfähigkeit eines gesundeten Menschen in die Eigenverantwortlichkeit zurückgeben sieht.

„Das stationäre Glücksspiel in Zeiten von Corona war untersagt und das Erstarken von Online-Glücksspiel ist auch eine Folge daraus. Es ist jederzeit verfügbar. Zudem bestehen für uns viele Regelungen, vor allem auch Schutzmechanismen für Minderjährige, die es online so nicht gibt. Junge Menschen unter 18 haben bei uns keinen Zutritt zu einem Glücksspielbetrieb,“ erläutert Nick Baldus.

Die Corona-Pandemie hat die Unternehmer sehr gefordert. Sie haben bislang sehr viel investiert, um den Hygiene- und Distanzregeln gerecht zu werden. Vor allem Nick Baldus‘ Arbeitsalltag hat sich dadurch sehr verlängert. Er sichtet beinahe täglich die neuen, sehr unterschiedlichen Regelungen der Bundesländer und meint: „Das ist eine wirkliche Herausforderung.“ Und noch steht der Aufwand in keinem Verhältnis zur Wirtschaftlichkeit, denn lange nicht alle Gäste haben den Weg wieder zurück
gefunden. Die Umsatzeinbußen sind erheblich.

Jenny Groß bedankte sich und sagte abschließend: „Gesellschaftlich wird das Spielen geduldet, geht es um professionelle Spielhallen, die sich wie sie insbesondere im Bereich der Prävention gegen Spielsucht einsetzen und alle gesetzlichen Regelungen einhalten, so wird es leider oft in eine falsche Richtung gedrängt. „Ich kann Sie nur ermutigen, ihren Weg so weiterzugehen, danke für die Einblicke in diesen Bereich der Arbeitswelt“, so die Landtagsabgeordnete abschließend.